Preisverleihung Helfende Hand 2022

05.12.2022

Höchster Preis des Ehrenamtes in

Deutschland für die Teisnacher Feuerwehr

Zwei Wochen ist es jetzt her, das am 5. Dezember Deutschlands höchste Auszeichnung im ehrenamtlichen Bevölkerungsschutz verliehen wurde, die „Helfende Hand 2022“. Das Bundesministerium des Inneren und für Heimat zeichnete jährlich diverse Projekte in den Kategorien Innovative Konzepte, Nachwuchsarbeit und Unterstützung des Ehrenamtes mit einer Helfenden Hand aus. Dieses Jahr waren es insgesamt 15 Projekte, die aus 249 Einsendungen aus ganz Deutschland ausgewählt wurden.

Gleich drei Projekte unter Beteiligung bayerischer Feuerwehren wurden mit dem Förderpreis Helfende Hand 2022 ausgezeichnet, darunter die Feuerwehr Teisnach mit ihrem Hygienekonzept „SEIFE“ (Schutz der Einsatzkräfte Im Feuerwehrhaus und an der Einsatzstelle). In der Kategorie „Unterstützung des Ehrenamtes“ belegte das Projekt aus Teisnach den vierten Platz. Nancy Faeser, Bundesministerin des Innern und für Heimat, überreichte die Trophäen persönlich an die eingeladene Abordnung der Teisnacher Feuerwehr, im Rahmen einer Feierstunde im Herzen des Innenministeriums in Berlin.

Mit einer kompletten Neubetrachtung hat sich die Feuerwehr Teisnach neue Abläufe, Module und einen Hygieneplan erarbeitet. Dazu wurde Fachliteratur, Forschungsergebnisse und die aktuellen Arbeitsschutzrichtlinien herangezogen. Das erarbeite Konzept kann ganz einfach auf kleine und große Feuerwehren oder auf Alt- oder Neubauten angewendet und entsprechend abgeändert werden.

Für die Abordnung aus Teisnach war es zwar ein kurzer Ausflug nach Berlin, von Sonntag Mittag bis Montag Abend waren Sie unterwegs, aber es hat sich alleine schon die Teilnahme mehr als gelohnt so der 1. Kommandant Sandro Plötz. Am Sonntag Abend war noch Füße vertreten im Regierungsviertel angesagt, natürlich mit Brandenburger Tor und am Montag Vormittag noch ein paar Sehenswürdigkeiten im Umfeld. Gegen Mittag ging es schon zum Innenministerium zu den Vorbereitungen. „Am Infostand zu unserem Konzept erwartet uns ein wahnsinnig professionell gestaltetes Roll-Up mit einer Art Cartoon Darstellung unserer SEIFE. Passend dazu gab es auch ein Kurzvideo, das man mittlerweile auf Youtube unter dem Suchbegriff – Helfende Hand Projekt SEIFE – finden kann“ so Plötz weiter. Nach dem Aufbau der mitgebrachten Infomaterialien informierte sich der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BBK) Hr.Tiesler, der stellv. Leiter der Abteilung Krisenmanagement & Bevölkerungsschutz im BMI Dr. Christoph Hübner und der Referatsleiter Branddirektor Bockemühl (der die Helfende Hand organisiert) persönlich über die Hintergründe, Beweggründe und den Lösungsansatz bei dem Thema Hygiene am Infostand.

Mit Hr. Bockemühl, der früher Kreisbrandrat in Aichach-Friedberg war und weitere Station im Feuerwehrdienst hinter sich hat, fand ein reger Austausch zum Thema Hygiene im Feuerwehrdienst statt. Seiner Auskunft nach hat er selber darüber schon mal eine Arbeit geschrieben und findet das Thema mehr als richtig und wichtig. Leider gibt es hier noch einiges an Aufklärung zu betreiben, die Belastung mit Gesundheitsgefährlichen Stoffen hat sich stark gewandelt und ist mehr geworden. Er lobte auch die einfachen Komponenten des Konzeptes aus Teisnach, weil es jeder individuell umsetzen könnte, nach seinen örtlichen Anforderungen und auch „nicht das große Geld drinsteckt“ was die meisten immer befürchten wenn es um Arbeitssicherheit geht.

Am Eindrucksvollsten für alle Besucher waren die drei Petrischalen die man dabei hatte, wo von einem Handschuh, einem Helm und einer Hose eines äußerlich sauber wirkenden Schutzanzug eines Teisnacher Kameraden Proben genommen wurden. Diese zeigten nämlich einen Anteil von Bakterien und Verschmutzung, die man mit bloßem Auge nicht sieht und nicht vermutet. Die Tatsache bestätigt aber die Notwendigkeit einer regelmäßigen Reinigung. „Denn wenn der Anzug mal nach Rauch stinkt und der Dreck nicht mehr mit der Bürste weg geht, ist es schon lange zu spät“ so die Projektbeteiligten.

Die Reinigung der Haut mit Schadstoffen beginnt bereits an der Einsatzstelle, darum hat man sich in Teisnach um Geräte und Ausstattung bemüht die während des Einsatzes schon genutzt werden können. Die Grundausstattung auf den Löschfahrzeugen bildet das Hygienboard (Wasserhahn, Seife, Papiertücher), erweitert wird es um den ersten Rollcontainer „Waschbecken“, in dem man mehr Platz zum Waschen von größeren Körperstellen hat. Alle Waschplätze und das Gerätehaus sind einheitlich mit den notwendigen Hygieneprodukten ausgestattet und ein Hautschutzplan erläutert nochmal den Verwendungszweck. Mit der Fa. WERO, die in Teisnach seit vielen Jahren die Erste Hilfe Ausstattung verwaltet, hat man gemeinsam alle Anforderungen besprochen und die richtigen Produkte ausgewählt. So kennt jeder Feuerwehrler* die Produkte und auch für Personen mit Allergien ist vorgesorgt, den alle Produkte sind Neutral gehalten.

Der zweite Rollcontainer „Wechselkleidung“ führt die gängigen Größen der Einsatzkleidung mit und ermöglicht den Tausch der Kleidung an der Einsatzstelle. Zusätzlich wird noch Unterkleidung mitgeführt zum Tauschen, die man Sommer wie Winter gebrauchen kann. Bei schlechtem Wetter kann dies unter der Markise des Löschfahrzeuges erfolgen oder in einem Faltpavillon. Mit einem Partner vor Ort haben die Teisnacher das Glück die Kleidung schnell reinigen zu lassen, im Notfall auch innerhalb 24h. Ob das auch richtig gemacht wird, hat man in einer Versuchsreihe getestet, den der richtige Umgang mit der teuren Schutzkleidung ist das A & O.

„Viele kleine Bausteine und Stellschrauben sind notwendig um da eine runde Sache daraus zu machen“ so der Kommandant Sandro Plötz, auch in Teisnach sind noch ein paar Themen offen weil z.b. die bauliche Struktur im Gerätehaus das nicht hergibt. „Aber es wurde bis jetzt schon einiges Investiert von der Gemeinde Teisnach, aber das Gerätehaus können wir nicht einfach so umbauen. Aus Vereinsmitteln und Spenden wurde ebenfalls einiges Beschafft und ich Hoffe das wir da auch weiter Unterstützung finden, den ganz sind wir noch nicht fertig. Bei der Preisverleihung der Helfenden Hand gab es nämlich nur in den ersten beiden Kategorien ein Preisgeld zu gewinnen, das Konzept aus Teisnach fiel da leider nicht darunter.“ so Plötz.

Die nächste Beschaffung, eine mobile Stiefelwaschanlage ist bereits fix geplant und das richtige Produkt ausgesucht. Diese wird stationär im Gerätehaus betrieben werden, aber kann auch gemeinsam mit den Rollcontainern draußen an die Einsatzstelle gebracht werden. Den die Verschleppung von allen Arten an Dreck und Stoffen über die Stiefel ist der „Klassiker“ im Hygienebereich und das einfachste was man lösen kann. So wäre, gemeinsam mit dem Faltpavillon eine Reinigungsstation möglich die schnell aufgebaut ist. Ob das noch ein Weihnachtsgeschenk für die Teisnacher wird, wird sich zeigen, doch das Team bleibt an dem Thema dran und passt es immer wieder an um den best möglichen Schutz für die Kameradinnen und Kameraden zu ermöglichen.

Bürgermeister Daniel Graßl zeigt sich stolz über den Erfolg seiner Feuerwehr. „Wenn Frauen und Männer ehrenamtlich Dienst in der Feuerwehr ausüben, darf es keine Frage des Geldes sein, den bestmöglichen Schutz bei Einsätzen und Übungen zu erwirken“, so Graßl. Die Feuerwehr Teisnach setzt mit viel Eigeninitiative immer wieder praxisorientierte Projekte um, welche, wie es der Förderpreis belegt, auch anderen Feuerwehren helfen können. Bürgermeister Graßl bedankt sich bei allen Mitgliedern, die mithelfen ihre Feuerwehr weiterzuentwickeln, gratuliert der Feuerwehr Teisnach zur Auszeichnung mit dem Förderpreis „Helfende Hand 2022“ und freut sich über die überregionale Honorierung des ehrenamtlichen Einsatzes durch das Innenministerium.